Sakrale Kunst in Bugenhagen, Teil 8

Während wohl jeder, der einmal in unserer Kirche war, die messingfarbene Dose auf dem Titelbild des letzten Gemeindebriefes gesehen hat, ist das bei dem Titelbild dieses Monats sicher weniger der Fall. Wahrscheinlich fragen Sie sich beim Betrachten, wo das denn sein könnte.

Die Lösung des Rätsels: Es handelt sich bei diesem „verborgenen Schatz“ um zwei von außen nicht sichtbare Fenster des Raumes unterhalb des Altarbereiches, die ihr Licht nur durch schmale Schächte bekommen, deren obere Verschlussgitter häufig zugedeckt oder bewachsen sind. In den Baurechnungen wurde der Raum als Beichtraum, später dann als Kapelle bezeichnet und zunächst mit Unterbrechungen für Wochenschlußandachten und Passionsandachten genutzt.

Dieser Nutzung ist auch die Gestaltung der beiden Fenster geschuldet. Sie spielen in Form und Farbe stark an die Südfassade der Kirche mit den bunten Glasbausteinen an. Man hat sich seinerzeit bewusst für diesen Bezug und gegen eher gegenständliche Darstellungen, wie z.B. eine Kreuzigungsszene oder eine Kombination der Wappen Luthers, Bugenhagens und Melanchthons, entschieden.

Nachdem die Andachten in die Kirche bzw. den Gemeindesaal verlegt wurden, um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Treppen in den Keller zu ersparen und andererseits die Band immer größer wurde und Bedarf an einem entsprechenden Übungsraum hatte, wurde Mitte der 90er Jahre aus dem kirchlich genutzten Raum der Bandraum.

Bandraum

Für den „verborgenen Schatz“ spricht der Künstler, von dem die Fenster stammen: Hans-Jürgen Breuste, 1933 in Hannover geboren und 2012 dort gestorben, hatte nach einer Maurerlehre erst wenige Jahre zuvor begonnen, sich künstlerisch zu betätigen und arbeitete zunächst gegenständlich, vorwiegend in Bronze.

In seinen späteren Werken ging Breuste einen völlig anderen Weg. Bekannt wurde er durch seine „Assemblagen“ aus Weggeworfenem, Ausrangiertem. Er setzte sich dabei besonders mit Gewalt, Bedrohung, Gefangensein auseinander. In der Osterstraße findet man seit 1981 „Bogside‘69“ zum 20jährigen Bestehen von Amnesty International. 1983 entstand für den Mühlenberg das Friedensmahnmal, 1987 das Zwangsarbeiter-Mahnmal am ehemaligen KZ Hannover-Stöcken und 1989 das Mahnmal Gerichtsgefängnis Hannover am Beginn der Lister Meile vor dem Pavillon, das erste städtische Mahnmal in der Bundesrepublik, das ausdrücklich auch an die Verfolgung homosexueller Männer in der Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Ein letztes Einzelwerk ist dann das 2008 gemeinsam mit seiner Frau Almut entstandene Mahnmal „Rampe Bergen-Belsen“.

Schon vorher hat er mit seiner Frau das Projekt „RosebuschVerlassenschaften“ in der Turbinenhalle des ehem. Umspannwerks der PreussenElektra begonnen. Im Herzen der Rauminstallation steht das Objekt „Litzmannstadt“, das an das in der von den deutschen Besatzern von Lodz umbenannten Stadt eingerichtete Ghetto erinnert.

Michael Geis