Rückblick Märchenprojekt 2011

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, eine Gruppe von sittsamen und herzensguten Frauen, die arbeiteten in einer Kindertagesstätte im Reich des mächtigen Königs „Projektarbeit“. Als sie eines Tages wieder in ihrem kleinen Kämmerlein beisammen saßen, um ihr Tagwerk vorzubereiten, da kam ein Bote des Königs zu ihnen und sagte:
„ Hier habt ihr etwas Brot aus Frau Holles Backofen und eine Flasche belebenden Kräutertee von Rotkäppchen. (Natürlich befand sich in den Flaschen von Rotkäppchen kein Wein, wie von boshaften Gemütern behauptet worden war, sondern nur Kräutertee, der ihre Großmutter wieder gesunden lassen sollte!) Der König befiehlt, dass ihr ein neues Projekt für die Kinder plant. Also stärkt euch und macht euch sodann an die Arbeit.“
Die Frauen taten, wie ihnen geheißen worden war und hatten sogleich eine Idee. „Die Kinder lieben es, wenn wir ihnen Märchen erzählen. Lasst uns doch ein Märchen-Projekt machen“ schlug die erste Kollegin vor. „Nichts leichter als das!“ gaben die anderen zur Antwort. Doch dann besannen sie sich und fragten einander: „Was sollen wir denn bei solch einem Projekt machen? Nur Märchen vorlesen und erzählen – das kann doch nicht alles sein.“ So schickten sie drei Kolleginnen in die weite Welt hinaus, auf dass sie erkundeten, welche Aktivitäten ein Märchen-Projekt beinhalten könnte.
Nicht lange und die erste Kollegin kam zurück. Sie war noch ganz außer Atem und sagte: „Ich war im Lande „Musikus“ und habe dort erfahren, dass es viele Singspiele und Lieder mit Märchen-Inhalten gibt.“ Das gefiel den anderen sehr und sie durchstöberten ihre Liederbücher nach passendem Liedgut.
Als der Nachmittag zur Neige ging, kam die zweite Kollegin zurück. „Ich war,“ so sprudelte es aus ihr heraus, „im Lande „Kreativien“. Dort gab man mir den Rat, Märchenfiguren aus Holz auszusägen, Bilder mit Mais-Chips zu gestalten oder auch Märchentiere aus Papier zu falten. Das Filzen von Wandteppichen oder das Drucken von märchenhaften Bildern soll auch bei den meisten Kindern wohlgelitten sein. Am meisten Gefallen aber finden selbst gestaltete Schneewittchen-Spiegel sowohl bei den Mädchen als auch bei den Knaben.“
Nun mussten sich die Frauen in Geduld üben, denn die letzte Kollegin war noch immer nicht zurück gekehrt. So saßen alle verbliebenen Frauen an ihren Spinnrädern und versuchten derweilen , Stroh zu Gold zu spinnen. Wie in den meisten Kindertagesstätten fehlte es auch hier oft an den finanziellen Mitteln, um dringende Renovierungsarbeiten von Handwerkern und nicht immer wieder von mitleidigen Eltern ausführen zu lassen. Doch Rumpelstilzchen, der sich auf die Kunst, Stroh zu Gold zu spinnen verstand, war seit einem Zwischenfall mit der schönen Müllers-Tochter wie vom Erdboden verschluckt und konnte ihnen darum nicht helfen.
Schließlich, als vom Kirchturm her schon die Abendglocken zu vernehmen waren, kam die dritte Kollegin am Ende ihrer Kräfte in den Raum gewankt. „Verzeiht mir die Verspätung, doch ich war im Lande „Allerlei“ und bekam dort so viele Ideen mit auf den Weg, dass mein Ränzel dick und prall wurde und mir wie eine Zentnerlast am Rücken hing. So kam ich nur noch mühsam voran. Doch wenn ihr von meinen Schätzen erfahrt, werdet ihr mir bestimmt wieder wohlgesonnen sein. Wir könnten doch ein Schattentheater einüben oder „Hexen-Turnstunden“ anbieten. Auch das Backen von Frau Holles Broten oder Hexenhaus-Pfefferkuchen wird den Kindern Freude bereiten. Auf echten Leinwänden Märchenbilder im Zwergen-Format zu malen oder des Kaisers neue Kleider zu entwerfen wird ein Spaß sein. Märchen selbst zu erfinden und Bücher mit eigens dafür gestaltetem Papier zu binden, ist eine Kunst, auf die sich nicht jeder versteht. Und Elfenblumen zu säen und, und, und...“Die Ideen sprangen ihr nur so von den Lippen, als seien es kleine, quicklebendige Zicklein und die Kolleginnen beschlossen: „Lasst uns einfach anfangen. Etwas Besseres als die Monotonie finden wir fürwahr überall.“
So geschah es, dass das Märchen-Projekt in dieser Kita zur Freude aller Beteiligten durchgeführt wurde. Der König „Projektarbeit“ war sehr zufrieden mit dem Ergebnis und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er auch noch heute! Und die Kita-Kolleginnen planen schon bald das nächste Projekt.