Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen

Juni 2017

Dieser Satz ist aus der kürzesten Rede in der ganzen Apostelgeschichte, schauen Sie mal in Kapitel 5 nach! Gehalten wurde sie von den Aposteln vor dem Hohen Rat. Wenn der Hohe Rat diese Rede der Apostel anerkennen würde, dann müssten sie es auch mit der ganzen Botschaft tun: Jesus ist der Christus.
Die Apostel kämpfen um ihre Autorität, ihre einzige Legitimation ist das Wort – es ist ein ebenso starkes wie schwaches Argument. Es behauptet, Gott auf seiner Seite zu haben, aber einen Beweis hat es nicht.
Nicht genug damit, dieses Argument ist nur sinnvoll, kann akzeptiert oder bezweifelt werden, wenn auch das Gegenüber an Gott glaubt. In totalitären Systemen kehrt das Argument leer zurück. Aber es hat Menschen gestärkt und ihrem Glauben, ihrem Gewissen Halt gegeben. Wo andere sich wegduckten, hat dieses Wort den aufrechten Gang gelehrt. Die Gegner hatten nur Spott und Hohn für die Zeugen des Glaubens über, aber man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Aber wer möchte denn heute überhaupt „gehorchen"? Gehorchen kommt von hören, von genau hinhören, aufmerksam zuhören. Gott mehr zuhören als den Menschen. Das ist eine innere Haltung. Aus einem Argument wird eine Lebensdevise. „Was würde Jesus wohl dazu sagen", hat sich Martin Niemöller immer wieder gefragt. Wie können christliche Maßstäbe in die Praxis umgesetzt werden, wie können wir unsere Positionen in die Gesellschaft einbringen?
Wir können als Christen stolz darauf sein, dass Werte von Freiheit und Gerechtigkeit, von Menschlichkeit und Nächstenliebe in unserem Glauben wurzeln. Sie sind zu staatlichen Werten geworden und haben ihren Ort im Grundgesetz. Sie gelten nun unterschiedslos für alle Menschen und Religionen, und gleich von welcher Seite sie eingeschränkt werden sollen, sie haben mit dem Widerspruch und dem Widerstand der Christen zu rechnen.
Aus der kürzesten Rede der Apostelgeschichte ist ein großer Auftrag geworden. Auch wenn sich Ausrichtung und Form du
rch die Jahrhunderte verändert haben, aktuell bleibt er bis heute.
Ihre Pastorin Ute Neveling-Wienkamp