Gewürzte Rede

Mai 2017

Zu den wichtigsten menschlichen Möglichkeiten, liebe Leserin, lieber Leser, zählt: sprachlich in Verbindung zu treten. Denn auf andere Art und Weise können auch Tiere kommunizieren: die Lockrufe in der Vogelwelt, das Röhren der Hirsche in der Brunftzeit, aber auch das Hundegebell, das vertreiben soll, sprechen eine deutliche Sprache ... Oder auch: Bienen signalisieren durch bestimmte Bewegungen ihres Körpers Artgenossen, wo es Nektar zu finden gibt. Die Geschöpfe dieser Welt leben auch durch eine unglaubliche Vielfalt an Mitteilungsarten!
Wir Menschen sind darüber hinaus fähig, Worte so aneinander zu reihen, dass sie – in satzförmiger Rede – den Sinn ergeben, den wir beabsichtigen. Und durch die Färbung unserer Worte können wir unserem Gesprächspartner, unserer -partnerin noch einiges mehr vermitteln: als einschmeichelnden Klang, als schroffe Härte, als einfühlsames Verständnis und als Tröstung, als zarte Liebesbekundung.
In dem nüchternen Realismus, der in den biblischen Texten immer wieder zu finden ist, heißt es allerdings auch: „Wir bringen unser Leben zu wie ein Geschwätz“ (Psalm 90,9). Dahinter steht die Beobachtung, dass wir auch viel leeres, manchmal sogar dummes Zeug reden. „Ach, was hab´ ich da wieder gesagt“, denkt man dann über sich selbst – wenn man es erkennt. Eine Hilfe, es anders zu machen, bietet der Monatsspruch für diesen Mai: „Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt“ (Kolosserbrief 4,6). Das muss kein Widerspruch sein! Freundliche und salzhaltige Worte schließen sich nicht aus. Denn hier ist nicht von Pfeffer, also von Schärfe, die Rede: der kann leicht zu unverhohlene Aggression oder Feindseligkeit führen. Salz dagegen braucht man zum Leben. Ohne Salz schmeckt eine Mahlzeit fade. Ohne Salz kann der Körper nicht mehr Wasser speichern und trocknet mit der Zeit aus: man kann sich dann im Krankenhaus wiederfinden und schaut zu, wie Wasser mit Kochsalz in einen hineintropft. Ohne eine Prise Salz in unseren Gesprächen muten wir uns nicht mehr einander zu: die Worte werden dann zu belanglosem Geschwätz. Deshalb ist es durchaus eine hohe Kunst, freundlich zu bleiben und den eigenen Worten jene Körnchen Salz beizumischen, die wir zum Leben brauchen: die der Schöpfer für uns bereithält, damit wir interessiert, neugierig, wach – lebendig bleiben. So wünsche ich Ihnen einen gesegneten Mai.
Ihr B. Pechmann